Bloomstag für Leser und Leber

Das alljährliche vom literarischen Joyce-Fieber bemäntelte bloomstägige Schlingern von Pub zu Pub verbietet sich im Corona-Jahr 2020, denn wie schon zum St. Patrick’s Day sind auch am Bloomsday noch jegliche Pubs in Irland geschlossen. Sober, sober.
Wiewohl sich Mittel und Wege finden lassen dürften… Pints liefernde Drohnen sind bereits erprobt, manches Pub firmiert nurmehr als Restaurant, was ihm vorzeitige Öffnung gestattet.
Man könnte den Tag freilich auch lesend verbringen. Aber was ist schon ein Tag von mageren 24 Stunden gemessen am umfangreichen Ulysses, jenem Roman von James Joyce, auf den der Bloomsday sich beruft.
An einem 16. Juni gelang es dem schwer verliebten James Joyce, seine spätere Angetraute Nora Barnacle zu einem Rendezvous zu bewegen. Am Vortag war das noch schiefgegangen, da die Angeschmachtete den jungen Literaten versetzte, aber an jenem 16. Juni fanden das Abendessen und ein Strandspaziergang und werweißwasnoch statt.
Der Roman Ulysses ist komplett auf den 16. Juni 1904 festgelegt. Sein Held Leopold Bloom, seines Zeichens Akquisiteur für Anzeigen, Molly, seine Frau, und der Schriftsteller Stephen Dedalus gehören zum Inventar des Romans. Schauplätze sind unter anderem Swenys am Lincoln Place, wo es Lemony soap zu kaufen gibt.
Den Bloomsday als Begängnis gab es übrigens erstmals ein halbes Jahrhundert nach jenem literarischen Bloomsday. Ein Videoclip von 1954 zeigt Flann O’Brien, Patrick Kavanagh und andere Literaten bei einem Ausflug zum Martello Tower in Sandymount – wortreich und mit ordentlich Promille im Blut.

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