Whiskey und Whisky sind wie Äpfel und Birnen…

…nämlich nicht zu vergleichen. Das lehrt uns ein Kompendium von Daniela Brack über Irish Whiskey
In seinem 1978 in Belfast erschienenen Buch „In Praise of Poteen“ beschreibt Sean McGuffin Zeiten, da in manchen Landstrichen Irlands in jedem zweiten Haushalt schwarzgebrannt wurde „zum Wohle und der Erquickung des harten irischen Daseins“. Der legalen Whiskey-Brennerei in Irland wendet sich indes Daniela Brack in ihrem Kompendium „Irish Whiskey“ zu, das unlängst bei Hädecke aufgelegt wurde. Der Zeitpunkt ist gut gewählt, ja folgerichtig, da irischer Whiskey momenten eine Renaissance erlebt. Ins Bild gesetzt hat das die Teeling-Destillerie in Dublin, die im Firmenlogo und auf jeder Flasche einen Phönix aus der Asche aufsteigen lässt.

Wie sehr der kraftvolle Aufbruch der Whiskey-Tradition in Irland, ihr Niedergang, die nachfolgend boomende Schwarzbrennerei, eine schleppende Entwicklung und der neuerliche Triumph miteinander verzahnt sind, macht die Lektüre des informativen Buches klar. Um 1750 gab es auf der Insel um die tausend Brennereien. Mit beachtlichen sechzig Prozent dominierten die Iren im 19. Jahrhundert den Weltmarkt. Um bis zum Jahre 1960 auf jämmerliche zwei Prozent abzustürzen.

Während die Iren ihr „Wasser des Lebens/Uisce Beatha“ in der aufwändigen Dreifach-Destillation in Pot Stills gewannen, entdeckten die Schotten das schnellere und kostengünstigere Verfahren in Coffey Stills für sich und kauften den Iren damit den Schneid ab. Später legte die katholische Kirche mit ihrer Verachtung für die Promille ihre Fallstricke aus, hinzu kamen wirtschaftliche Nöte und Fehler in der Distribution. All das beschreibt die Autorin detailliert. Auch dass die Iren letztlich das „E“ im Whiskey plazierten, um sich von einer großen Zahl schottischer Billigprodukte abzusetzen.

Heute gereicht es den Iren zum Vorteil, dass viele Kenner auf die Milde und Weichheit irischen Whiskeys schwören. Auch dass die Lagerung herrlich viele Möglichkeiten zulässt, da qua Definition eine breitere Auswahl an Fässern erlaubt ist beim irischen Whiskey. Die Lagerung und Reifung im Holzfass hat immerhin siebzig bis achtzig Prozent Anteil am späteren Geschmack.

Bei der Whiskey-Herstellung ist viel Handwerk gefragt, viel HandARBEIT auch. Kaum zu überschätzen ist die große Kunst des Blending, braucht es hierfür doch eine feine Zunge und Nase.
Jeder finde für sich heraus, wie der eine oder andere Tropfen mundet – schottische und irische Whiskeys lassen sich so sinnvoll vergleichen wie Äpfel und Birnen.

Was man lernen kann ist, dass das landläufige Beharren auf dem Single Malt nicht unbedingt von Kennerschaft zeugt. Das Pure Pot Still-Verfahren ist das Geheimnis der Iren. Eines, das ihnen gerade erstaunliche Wachstumszahlen beschert. Nach der Jahrtausendwende zählte Irland gerade mal drei Produzenten, jetzt sind es an die zwanzig und die nächsten 16 stehen alsbald an den Brennblasen. Das ist keine Renaissance, sondern ein Urknall schreibt denn auch die Autorin. Schon ist der Slogan vom „Putting the ‚E‘ back in whisky“ zu hören.

Das Buch führt den Leser in die Geschichte der Whiskey-Nation Irland ein, beschreibt Herstellungsprozesse und die Bandbreite an irischen Whiskeys. Der Verkostungsteil ist knapp gehalten, zu viel Neues ist in nächster Zeit zu erwarten, da ist eine Online-Ergänzung, wie die Autorin sie anbietet, die bessere Variante.

Enden wir mit einem irischen Trinkspruch: „May you be in heaven half an hour before the devil knows you’re dead.“ Dieser kleine Zeitvorteil könnte sich zu einem Gelage auswachsen, wenn denn der Angel’s share – jener Anteil aus jedem Holzfass, der während der jahrelangen Reifung verdunstet – ebenfalls in den Himmel aufgestiegen ist.

Beate Lemcke

Daniela Brack „Irish Whiskey“, Hädecke, ca. 150 Seiten, 22 Euro

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