Der Brexit und Nordirland

Mit dem morgendlichen Erwachen kommt meist auch die Erleichterung, so man Alpträume hatte. Anders war es an jenem 24. Juni, dem Morgen nach dem Brexit-Referendum, denn da begann für viele erst der Alptraum. Und bis heute ist kein Ende in Sicht.

Bei einem Podiumsgespräch, das die Bundeszentrale für politische Bildung im Berliner Palais Kulturbrauerei veranstaltete (am 15. März 20018), berichtete der Belfaster Autor und Journalist Brian Feeney anhand sehr berührender Einzelschicksale über die Geschichte der Troubles, des ethnisch-politischen oder politisch-ethnischen Konflikts in Nordirland. Momentan sei die Polarisierung stärker als irgendwann in der Zeit seit dem Karfreitagsabkommen von 1998. Zwar gebe es keinen Appetit auf Gewalt wie 1969, aber genug Waffen und Leute mit Wissen um ihre Handhabe. „Der Brexit hat alles vergiftet.“

Dette Hughes von der East Border Region im Grenzort Newry malte ein Bild von den Sorgen der Menschen vor allem in den Grenzregionen, wo schon heute niemand mehr investieren will. Was wird aus den 30000 Menschen, die täglich die Grenze passieren auf dem Weg zur Arbeit? Wie werden zukünftig Warentransporte abgewickelt werden, wieviel werden Zollkontrollen und Transaktionen kosten?

Oder wer – so Brian Feeney – soll die Irish Cream bezahlen, die dreimal die Grenze passieren muss ehe sie im auch hierzulande beliebten Bailey’s-Likör landet.

Tausende kleine und große Fragen, deren Lösung auf die Quadratur des Kreises hinausliefe.

So sehr sich Victoria Hewson, Wissenschaftlerin und Juristin aus London, mühte, diese auf alle Seiten zukommenden Probleme kleinzureden, klar wurde nur eines: Es gibt keinen Plan. Der Brexit wird uns noch lange in Atem halten.

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