Ein lügnerisches Spiel

„Patrick’s Day“ von Terry McMahon beim Irish Film Festival

Durch Mark und Bein ging wohl jedem, der es beim Irish Film Festival 2026 im Berliner Babylon-Kino sah, das Psychodrama „Patrick’s Day“ von Terry McMahon. In dessen Mittelpunkt steht der an Schizophrenie erkrankte 26jährige Patrick. Man könnte also denken, es ist eine Art Randgruppen-Film. Aber es ist ein Film über uns alle, über falsch verstandene Liebe, den Missbrauch von Gefühlen, über Kontrolle, Manipulation und Gewalt an Abhängigen.

Patricks Leben wird bestimmt durch seine ihn umsorgende Mutter, die alles für ihn regelt, und durch Medikamente, die ihn „richtig einstellen“. Als er sich in die Stewardess Karen verliebt, wird das als Störfaktor in diesem System aus familiärer und institutioneller Kontrolle gesehen. Überzeugt von der Unmöglichkeit dieser Liebe, tut die Mutter alles, um ihren Sohn von Karen wegzubringen.

Begriffe wie Gaslighting waren als Regisseur Terry Mahon 2014 diesen Film drehte noch nicht so bekannt wie heute. Gaslighting ist eine Form der psychischen Manipulation. Patricks Mutter legt es darauf an, dem jungen Mann einzureden, es habe diese Karen nie gegeben, er bilde sich das nur alles ein. Sie erschüttert seine Wahrnehmung der Realität und lässt ihn an seinem Verstand und seinem Gedächtnis zweifeln. Und sie zieht Außenstehende in dieses lügnerische Spiel hinein. So gesehen ist dieser Film durchaus auch sehr politisch.

Als Zuschauer kann man den freundlichen, warmherzigen und offenen Patrick schnell lieb gewinnen, das perfide Tun der anfangs als besorgt wahrgenommen Mutter wird immer offensichtlicher brutal.

Das Filmende lässt einen mit Gefühlen zurück, von denen man selber kaum noch zwischen Wunsch und Realität zu unterscheiden vermag.

Dass es diesen Film als Schatz gehoben hat, ist IrishFilmBerlin zu danken.

(Patrick’s Day, IE, 2014, 102 Min, Regie: Terry McMahon)

Regisseur Terry McMahon beim Q&A im Babylon

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