Dreißig Jahre Irland in Berlin
Im August vor dreißig Jahren fand Irland mit unserem Laden eine „kleine Heimat“ in Berlin und wir konnten unserem inneren Kobold fortan ordentlich einheizen (vielleicht ein schiefes Bild, aber Sie ahnen, worauf wir hinaus wollen). Denn nach wie vor steht die „Emerald Isle“ ganz oben auf unserer Lieblingsorte-Liste. Statt dreißig Mal nach Irland zu reisen, hätten wir vielleicht die halbe Welt sehen können. Aber wozu soll man eintauschen, was man liebt?
Natur und Urbanes
In unserem Ladengeschäft mitten in Berlin gab es in den vielen Jahren über fünfzig Ausstellungen und Lesungen zur Grünen Insel, denn ein Leben ohne Kunst und Kultur halten wir für freudlos und sinnfrei.
Vor allem aber gibt es Waren aus allen Ecken und Enden Irlands, von ganz im Süden aus Clonakilty bis ganz im Norden aus Coleraine, aus dem westlichen Westport oder aus Drogheda im Osten Irlands. Im Kern sind es über fünfzig kleine Handwerksbetriebe, Webereien, Schmuckgestalter, Marmeladen-Manufakturen und Modedesigner, von denen wir unsere Waren beziehen. Mit den Tweedmützen, die im Laufe der Jahre über den Warentisch gingen, könnte man zum Beispiel eine deutsche Kleinstadt eindecken.
die vier Jahreszeiten vs. four seasons on a day
Danken möchten wir an dieser Stelle unseren Kunden, die uns seit Jahren, teilweise schon von Anbeginn, die Treue halten und auch den immer wieder neu hinzu kommenden Interessenten.
Die Hälfte der Zeit hat uns Polly in den Laden begleitet, die Jack-Russell-Dame scheint ordentlich Eindruck geschunden zu haben, denn vier Jahre nach ihrem Abschied fragen immer noch Kunden nach „dem kleinen Hund“ (es ertönt dann aus der Ferne leises Donnergrollen, denn es war ein großer Hund lediglich gefangen im Körper eines kleinen).
Polly und das Ladenmaskottchen Flynn
In den letzten fünf Jahren gab es bei Irish Berlin unter anderem eine Ausstellung mit keltisch inspirierten Bildern von Brian Mullan aus Antrim, einen Vortrag zur irischen Grammatik und die Buchpremiere Gerd Adloff „Als mir die Worte fehlten“ mit Fotografien aus Irland und Deutschland, begleitet – natürlich – von einer Fotoausstellung.
Buchpremiere Gerd Adloff
In kleiner Runde lasen wir im Laden bei regelmäßigen Treffen laut den kompletten Ulysses von James Joyce durch und danach noch A Portrait of the Artist as a Young Man, ebenfalls von James Joyce.
Lesung mit Sotscheck/Oeser/Schneider
Außerhalb unserer vier Wände hatten wir Gelegenheit, einen Leseabend mit Ralf Sotscheck, Hans-Christian Oeser und Jürgen Schneider in einer Prenzlauer Berg Kneipe zu moderieren. Und während des Zeitgeist-Festival-Jahres 2024 der Irischen Botschaft hielten wir in der Galerie Michaela Helfrich in der Bleibtreu-Straße die Laudatio für Noël O’Callaghans Ausstellung „Changelings in Nighttown“.
Vernissage Noël O’Callaghan
Damit sind wir wieder bei James Joyce, zu dem im Sommer 2025 ein wunderbarer Band erschienen ist, der sich mit den Farben des Ulysses auseinandersetzt. Wir haben das Buch ausführlich auf unserer Website besprochen, wo Sie regelmäßig Besprechungen zu neu erschienener Literatur aus Irland finden. Das mobile Endgerät ab und an beiseite zu legen und stattdessen ein Buch zur Hand zu nehmen, können wir nur empfehlen, gerade in einer Zeit, in der es mehr Fragen gibt als Antworten.
Sláinte!
Beate Lemcke im August 2025
Hier unser Filmchen zu den ersten 25 Jahren
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