Kristina Ciaglia: Land in Sicht

4 Panoramagemälde von Kristina Ciaglia (Mai bis Juli 2012)

Nach ihren Irlandreisen blieben immer die Bilder im Kopf. Mystische Landschaften, Weite, die Kraft des Atlantik.
Vielfältiges, Großartiges, Monumentales. Im vergangenen Jahr wußte Kristina Ciaglia plötzlich, daß sie dafür ein besonderes Format braucht. A3, A4, das hatte sie schon durch; mancher Ausdruck, manches Sujet erzwingt eine entsprechende Form.

P A N O R A M A.

Ja, das sollte es sein.

Da der kleine Laden begrenzt Platz bietet, sind nur wenige Arbeiten zu sehen. Genauer gesagt, die ersten vier und bislang einzigen Panoramabilder, die Kristina Ciaglia gemalt hat. Und es ist mir eine Freude, daß wir hier gemeinsam auf Reise gehen, uns in „Land in Sicht“ mit der Malerin den immer wieder neu zu entdeckenden Ansichten Irlands nähern können.

I R L A N D.

Bei J.P.Donleavy lese ich: „Hier ist das Schlimmste, was Ihnen überhaupt passieren kann, bereits geschehen, bevor Sie den ersten Schritt getan haben, so daß Sie sich keine Sorgen darüber zu machen brauchen, was Sie auf den langen Wegen erwartet, die noch vor Ihnen liegen.
Denn die Unvermeidlichkeit des Schicksals ist ein Credo für jeden Iren. Man wird Ihnen sagen, daß Sie Ihr Schicksal nicht ändern können, indem Sie blind dagegen anrennen. Am besten ist es vielmehr, in aller Ruhe abzuwarten, bis es einen einholt – am besten die Ellenbogen dabei auf den Tresen eines Pubs gestützt.“

Kristina Ciaglia kann warten. Sie läßt diesen Landschaften Zeit. Wie bei sehr lang belichteten Fotografien sind die Bewegungen in Luft und Wasser eingefroren. Die zerklüfteten, von den Wellen des Atlantik umtosten Klippen und Küsten liegen gezähmt vor uns, und lassen doch auch erahnen, wie rauh es hier zugehen kann, an der Westspitze Europas. Das Wetter ist unberechenbar, eben noch lecken die sich kräuselnden Wellen zahm am Strand, da wird der Himmel schwarz und das Meer dunkelgün, und es bäumt sich auf, und die Gischt schlägt schäumend ihren lauten Rhythmus.

Still und donnernd.
Lyrisch schön und melancholisch.
Real und mystisch zugleich.
Kristina Ciaglia läßt sich auf dieses Wechselspiel ein und erspürt so die Seele dieser Landschaften. Seit 1991 hat sie Irland mehrfach bereist, vor allem den Südwesten, die Roaringwater Bay, Cape Clear als südlichste Insel.
Nachdem sie bislang mit Pastellkreide arbeitete, hat sie für diese Bilder wasservermalbare Ölfarbe benutzt. Bedenkt man die Motive, scheint auch die Entscheidung für diese Technik eine tiefere Logik zu haben.

(Beate Lemcke, Mai 2012)

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