Brian Mullan: Spirit Trail

(Eröffnung im April 2003)

Wohl an die 30 Millionen Besucher aus der ganzen Welt strömen jedes Jahr ins
Dubliner Trinity College, um das Book of Kells im gläsernen Sarkophag zu
bewundern. Bis heute birgt es – seine Schöpfer, die Entstehungszeit und viele
Motive betreffend – unentschlüsselte Geheimnisse.
Wahrscheinlich um 800 arbeiteten die besten Künstler und Kalligraphen Europas,
die der irische Mönch Connachtach zusammengeführt hatte, an diesem Meisterwerk
von unschätzbarem Wert. Typisch die keltischen Knoten, die unendlich
verschlungenen Linien und Bänder, die bis heute Künstler wie Handwerker
inspirieren. In weiter Vielfalt auf Schmuck, auf Broschen und Anhängern, oder
wie bald wieder zu sehen, auf entblößter Haut als schmückendes Tatoo.
Dieses Buch markiert den Höhepunkt der keltischen Kultur.
Und als Ire ist man ganz selbstverständlich aufgewachsen mit diesem Formenkanon, hat ihn
gewissermaßen mit der Muttermilch aufgesogen. Eine weitere Bilderfahrung, die
sich in Nordirland zwangsläufig einstellt, sind die murals, die Wandbilder, in
denen diesseits und jenseits der sogenannten Friedenslinie an historische und zu
schlagende Schlachten erinnert wird.
Brian Mullan, war fasziniert vom Reichtum der Formen im Book of Kells. Und es drängte ihn, sie zusammenzuführen mit Motiven anderer Kulturen und seinem eigenen Formenvokabular. So entstanden
die spirituellen wie poetischen Blätter. Da sind zum einen an Jugendstil, einen
Gustav Klimt erinnernde Verknüpfungen von Dekor und Figur. Dann die samtfarbenen
zart geschwungenen Gebilde, aus denen sich bei genauerer Betrachtung
Menschenwesen, Vögel, Fisch und Kuh herauslösen.
Außerdem gibt es auch Höhlenbilder, mit denen der Künstler sich in
letzter Zeit vor allem beschäftigt.

Beate Lemcke

 

(Abbildung freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Brian Mullan, ausschließlich zur Illustrierung dieses Artikels, alle Rechte beim Künstler)

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